MTM (Methods-Time Measurement)
MTM (Methods-Time Measurement) ist ein Verfahren zur Analyse, Planung und Optimierung manueller Arbeitsabläufe. Ziel ist es, Arbeitsprozesse systematisch zu untersuchen, standardisierte Bewegungsabläufe zu definieren und daraus Sollzeiten abzuleiten.
Die Methode basiert auf der Zerlegung menschlicher Bewegungen in einzelne Grundbewegungen, denen definierte Zeitwerte zugeordnet werden.
MTM wird insbesondere in Produktion, Montage und industriellen Arbeitsprozessen eingesetzt und bildet eine wichtige Grundlage für ergonomische, stabile und effiziente Abläufe.
Ziel von MTM
Das zentrale Ziel von MTM besteht darin, Arbeitsabläufe nachvollziehbar, vergleichbar und planbar zu machen.
Dabei sollen insbesondere:
- Arbeitsprozesse standardisiert
- Verschwendung reduziert
- ergonomische Belastungen verbessert
- Prozesszeiten objektiv bewertet
- Produktivität erhöht
- stabile Arbeitsabläufe geschaffen
werden.
MTM dient dabei nicht primär der Kontrolle von Mitarbeitenden, sondern der systematischen Gestaltung effizienter und ergonomischer Prozesse.
Grundprinzip von MTM
MTM basiert auf der Annahme, dass sich manuelle Tätigkeiten aus wiederkehrenden Grundbewegungen zusammensetzen.
Beispiele solcher Bewegungen sind:
- Greifen
- Bewegen
- Positionieren
- Loslassen
- Drehen
- Drücken
- Sehen
Diesen Bewegungen werden standardisierte Zeitwerte zugeordnet.
Durch die Analyse der einzelnen Bewegungsabläufe kann ein Arbeitsprozess detailliert untersucht und verbessert werden.
Dadurch lassen sich:
- unnötige Bewegungen erkennen
- ergonomische Schwachstellen identifizieren
- Arbeitsplätze optimieren
- realistische Sollzeiten bestimmen
Ursprung von MTM
Die Methode MTM (Methods-Time Measurement) wurde in den 1940er-Jahren in den USA entwickelt.
Als Begründer gelten:
- H. B. Maynard
- J. L. Schwab
- G. J. Stegemerten
Die drei Ingenieure untersuchten systematisch menschliche Bewegungsabläufe in industriellen Arbeitsprozessen. Ziel war es, Arbeitsmethoden objektiv analysieren und standardisierte Zeitwerte für manuelle Tätigkeiten ableiten zu können.
Die Grundlage ihrer Forschung bildeten detaillierte Filmaufnahmen von Arbeitsabläufen. Dabei wurden einzelne Bewegungen analysiert, klassifiziert und mit definierten Zeitwerten versehen.
Aus diesen Untersuchungen entstand das erste MTM-System, welches später weltweit in Produktion, Arbeitsplanung und Industrial Engineering eingesetzt wurde.
MTM entwickelte sich insbesondere in der industriellen Serienfertigung zu einem wichtigen Werkzeug für:
- Arbeitsgestaltung
- Zeitwirtschaft
- Prozessoptimierung
- ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
- Produktionsplanung
Heute wird MTM international in vielen Industrieunternehmen eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Grundidee blieb dabei bis heute bestehen:
Arbeitsprozesse sollen nicht nur schneller, sondern vor allem systematisch, stabil und ergonomisch gestaltet werden.
Wie funktioniert MTM?
Bei einer MTM-Analyse wird ein Arbeitsablauf Schritt für Schritt untersucht.
Typischer Ablauf:
- Beobachtung des Prozesses
- Zerlegung in einzelne Bewegungen
- Zuordnung standardisierter Zeitwerte
- Analyse von Verschwendung und Belastung
- Optimierung des Arbeitsablaufs
- Definition eines verbesserten Standards
Dadurch entsteht ein strukturierter und nachvollziehbarer Sollprozess.
Warum MTM im Lean Management wichtig ist
MTM unterstützt viele zentrale Lean-Prinzipien.
Insbesondere hilft die Methode dabei:
- Verschwendung sichtbar zu machen
- Bewegungen zu reduzieren
- ergonomische Arbeitsplätze zu gestalten
- Prozesse zu standardisieren
- stabile Abläufe zu schaffen
- Taktzeiten zu planen
- Linien auszubalancieren
Dadurch bildet MTM häufig eine wichtige Grundlage für:
- Linienmontagen
- One Piece Flow
- Standardisierte Arbeit
- Lean Production
- ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
MTM und Ergonomie
Ein grosser Vorteil von MTM liegt in der Verbindung von Effizienz und Ergonomie.
Durch die detaillierte Analyse von Bewegungen können beispielsweise erkannt werden:
- unnötige Greifwege
- ungünstige Körperhaltungen
- häufige Drehbewegungen
- repetitive Belastungen
- schlechte Materialanordnungen
Dadurch lassen sich Arbeitsplätze nicht nur produktiver, sondern auch ergonomischer gestalten.
Wo wird MTM eingesetzt?
MTM wird insbesondere eingesetzt in:
- Produktion und Fertigung
- Montageprozessen
- Linienmontagen
- Arbeitsplanung
- Industrial Engineering
- Arbeitsplatzgestaltung
- Prozessoptimierung
- Lean-Projekten
Besonders häufig wird MTM in industriellen Serien- und Montageprozessen verwendet.
Vorteile von MTM
Die Methode bietet Unternehmen verschiedene Vorteile:
- objektive Prozessanalyse
- bessere Planbarkeit
- stabile Arbeitsstandards
- Reduktion von Verschwendung
- ergonomischere Arbeitsplätze
- bessere Vergleichbarkeit von Prozessen
- fundierte Zeitplanung
- höhere Prozesseffizienz
MTM unterstützt damit sowohl Produktivität als auch Prozessstabilität.
Herausforderungen bei der Anwendung
Die Einführung von MTM erfordert Fachwissen und eine saubere Analyse der Prozesse.
Typische Herausforderungen:
- hoher Analyseaufwand
- Akzeptanz bei Mitarbeitenden
- falsche Anwendung als reines Kontrollinstrument
- zu starke Fokussierung auf Zeit statt Prozessqualität
Entscheidend ist deshalb, MTM als Werkzeug zur Prozessverbesserung und nicht zur reinen Leistungsüberwachung einzusetzen.
Wirkung und Nutzen
Richtig angewendet unterstützt MTM Unternehmen dabei, Arbeitsprozesse systematisch zu verbessern und nachhaltig zu stabilisieren.
Typische Wirkungen:
- effizientere Abläufe
- bessere Ergonomie
- geringere Verschwendung
- stabilere Prozesse
- bessere Planbarkeit
- höhere Transparenz
- reduzierte Belastung für Mitarbeitende
MTM bildet damit eine wichtige Grundlage für professionelle Prozessgestaltung im Lean Management.
Weiterführende Ressourcen
Im Mitgliederbereich findest du ergänzend:
- Beispiele für MTM-Analysen
- Vorlagen zur Bewegungsanalyse
- Praxisbeispiele aus Montage und Produktion
- ergonomische Arbeitsplatzbewertungen
- Workshop-Unterlagen zur Prozessoptimierung
- Beispiele für Linienbalancierung
- Checklisten zur Arbeitsplatzgestaltung